So geht es heute Corinjo, unser geretteter Hengst aus Köln

So geht es heute Corinjo, unser geretteter Hengst aus Köln

Hätte ich Corinjo nicht sofort übernommen wäre er zum Schlachter gegangen, dies habe ich bislang nicht veröffentlicht!

Mein besonderer Dank geht an die Tierärztin Frau Jasmin Rocha, die nur die Medikamente für Corinjo ( 867,15 Euro) berechnet hat und uns keine Behandlungskosten in Rechnung gestellt hat! Tausend Dank

Corinjo war ein gebrochenes Pferd psychisch wie physisch, nun erholt er sich und erfreut sich seines neuen Lebens

Hier der Erfahrungsbericht unserer Pflegestelle, herzlichen Dank

Eure Nicol Hufnagel

Erfahrungsbericht Corinjo – hier genannt Joey (Little Joe)

In seinem vorläufigen neuen Zuhause angekommen, stellte sich das Ausladen aus dem Hänger als erste Herausforderung dar. Um Joey gleich zu Beginn zu vermitteln, dass er hier nicht alleine ist, warteten wir bereits gespannt mit seinem neuen Pferdekumpel „Paco“ auf dem Parkplatz. Ein sehr verträglicher Wallach, der sich bereits oft für Neuankömmlinge als liebevoller „Onkel“ bewiesen hat. Joey wurde am Halfter aus dem Hänger geführt, und stieg erst mal vorne hoch. Er machte also quasi direkt mal auf „dicken Hengst“. Obwohl er sehr ausgemergelt aussah – die Beckenknochen standen weit heraus, und man konnte wirklich jede Rippe einzeln zählen – spürte man doch, wie viel Potential und Energie in ihm steckte. Paco sollte wohl gleich wissen, mit wem er es nun zu tun hat. Nachdem das also geklärt war, wurden die beiden gemeinsam zu ihrer grossen Wiese geführt. Der Weg dorthin führt an einem lebensgrossen Dekopferd aus Holz vorbei. Joey löste dieses „Problem“, indem er – ganz wie man es von einem guten Hengst erwartet – schnaubte, grunzte, tänzelte, flehmte und zu guter Letzt noch einmal hoch stieg. Dann merkte er wohl, dass diese willige Maus recht hölzern war, und widmete sich doch lieber dem, was er nun in voller Pracht vor sich sah – eine riesengrosse Weide mit saftigem, frischem Gras… GRAS!!! Wie lange Joey das wohl schon nicht mehr riechen und schmecken durfte? Wir liessen beide Pferde einfach laufen und schauten, was passierte. Joey hatte gleich den Anschluss zu seinem neuen Freund gefunden, und folgte ihm fortan wie ein Schatten. Wir bereiteten für beide jeweils eine extra grosse Portion Kraftfutter, die sie sich gemeinsam einverleibten. Ab diesem Moment sah man die beiden nur noch im Doppelpack. Nach einigen Tagen stellten wir jedoch fest, dass Paco einige Kratzer und Abschürfungen sowie eine relativ tiefe Bisswunde am Po mitbekommen hatte. Um schlimmeres zu verhindern, trennten wir die beiden für die nächste Zeit. Dies sollte aber keine negativen Auswirkungen haben. Paco kam sichtlich zur Ruhe, seine Wunden verheilten gut und auch Joey schien es nicht schlimm zu finden, nun diese grosse Wiese für sich ganz allein zu haben. Zu sehen gab es ja immerhin auch noch genug. Gleich nebenan stand eine Stutenherde, die dafür sorgte, dass Joey oft dabei beobachtet wurde, wie er sich stolz erhobenen Hauptes am Zaun präsentierte. Auch Joey´s Wunden verheilten recht schnell – sowohl die körperlichen als auch die psychischen. Joey hatte sich selbst verletzt, indem er sich die Flanken und den Bauch blutig gebissen hatte. Bereits verheilende Stellen hatte er sich dann immer wieder aufgebissen. Ja, er zeigte fast schon Borderliner-Symptome. Hier verheilten all diese Wunden endlich. Die Behandlung mit Zinksalbe schlug hervorragend an. Hin und wieder gingen verletzte Bereiche wieder auf – aber nicht, weil er sie aufbiss. Dies passierte, wenn er sich vor Freude auf der saftigen Wiese genussvoll wälzte – und dies tat er sehr oft. Als Joey her kam, hatte er sehr schlechte Leberwerte. Die Medikamente, die ihm verschrieben worden waren, fütterten wir hier weiter, bis sie aufgebraucht waren. Bei der Kontrolluntersuchung stellte sich dann heraus, dass die Leberwerte sowie sämtliche Blutwerte wieder im Normbereich lagen. Joey wurde uns als Problempferd angekündigt. Er hatte unter anderem die Macke, dass er sich oftmals wie ein Propeller im Kreis drehte – 30, 40 Sekunden lang. Diesen Tick zeigte er hier 2 oder 3 Mal, aber in deutlich abgeschwächter Form. Jedesmal schien es uns eine Art „Übersprungshandlung“ zu sein, so als sei er gerade mit einer bestimmten Situation überfordert. Zum Beispiel wenn auf der anderen Seite der Wiese eine Stute mit Rossigkeit auf seine Allüren reagierte. Dann drehte Joey sich plötzlich 2, 3 Runden – und dann war es aber auch schon wieder gut. Diesen Tick legte er mit der Zeit gänzlich ab. Stand heute : Joey hört auf seinen Namen, lässt sich problemlos ans Halfter nehmen. Man kann ihn nach Herzenslust kuscheln und knuddeln, das geniesst er so richtig. Er hat riesigen Appetit, und er hat schon reichlich zugelegt. So langsam baut er wieder Muskeln auf, da er eine riesige Lauffläche zur Verfügung hat, die er auch sehr gerne nutzt. Oft galoppiert er voller Lebensfreude über die Wiese, und wälzt sich anschliessend genüsslich. Gestiegen ist er nicht mehr, selbst den Tierarztbesuch hat er bravourös gemeistert. Joey bekam 2 Hormonchips implantiert, die seinen Testosteronspiegel absenken werden. Dies wird sein „Hengstgehabe“ deutlich verringern. Die Wirkung dieser Implantante beträgt 6 Monate, anschliessend soll er gelegt werden. Normalerweise zeigt sich erst nach ca. 3 Wochen die Wirkung der Hormonchips. Wir merken jetzt nach einer Woche bereits, dass er wesentlich ruhiger und ausgeglichener ist. Er wirkt entspannt und zufrieden. Und nach allem, was ihm angetan wurde, fasst er auch wieder Vertrauen zu uns Menschen. Ein wirklich tolles Pferd, das seinem Seelenmenschen sicher alles geben würde. Wir freuen uns, dass wir diese lehrreiche Zeit mit Joey erleben – und ein Stück seines Weges mit ihm gemeinsam gehen dürfen. Und wieder einmal hat sich bestätigt : Es gibt keine Problempferde. Es gibt nur Problemmenschen.

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