Vier Hufe e.V.-Einsatz in Skaryszew/ Polen, 5.-7.3.2017 Teil II

Hier der ganze Bericht Teil II Bitte anklicken   Skaryszew2

Vier Hufe e.V.-Einsatz in Skaryszew/ Polen, 5.-7.3.2017

Teil 2: Rettung von zwei Pferden und unsere Sichtweise zu den Zuständen auf dem Markt

Wie bereits in Teil 1 geschrieben, war Vier Hufe e.V. bereits in 2014 vor Ort, ich in 2015. Wir hatten gehört und gelesen, dass sich aufgrund von Beschwerden und Protesten verschiedener Institutionen und Tierschutzverbände die Zustände verbessert haben sollen. Wie ist also der Markt in 2017 zu bewerten?

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Schaut Euch einfach dieses Foto an…

Sicherlich mag sich gegenüber früheren Zeiten einiges verbessert haben, sicherlich sah nicht jedes Pferd so aus wie dieses. Wir wünschten, wir könnten anderes berichten, aber aus unserer Sicht hat sich gegenüber 2014/ 2015 leider nur sehr wenig verändert. Die Bedingungen für die Pferde sowie der sich anschließende Transport sind nach wie vor katastrophal und verstoßen in zahlreicher Hinsicht gegen geltendes Recht.

In diesem Jahr wurden nach unserer Schätzung ca. 700 Pferde gehandelt. Diese Zahl ist aber sehr schwer zu schätzen, da viele Deals bereits nachts unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht wurden und es auch morgens ein ständige Be- und Entladen war. Zudem soll sich aufgrund des Tierschutz-Medienrummels zu gleicher Zeit ein Großteil der Bauern mit den Schlachthändlern im 50 km entfernten Bodzentyn getroffen haben, also ungestört… Dort findet wöchentlich ein Viehmarkt in kleinem Rahmen statt. Die polnische Tierschutzorganisation TARA fuhr kurzfristig auch dorthin und hat Pferde freigekauft.

Der Markt in Skaryszew war in diesem Jahr das erste Mal in zwei Markttage aufgeteilt, da es im Vorfeld so viele Proteste gab. Sonntagnacht und Montag sollten
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ausschließlich alle schweren Rassen und damit überwiegend die Schlachtpferde gehandelt werden, am Dienstag alle anderen Rassen. Damit sollte verhindert werden, dass der überdachte Marktplatz aus allen Nähten platzt und die einzelnen Pferde mehr Platz haben. Soweit so gut. Aber welcher Bauer fährt zweimal nach Skaryszew, einmal, um seine Kaltblutpferde am Montag zu verkaufen, und noch ein zweites Mal, um die restlichen Pferde zu handeln? So mancher Transporter blieb dann also von Sonntagabend bis Dienstag vor Ort…Wer uns nicht glaubt, kann auch gerne Anne Fuhrmeister fragen, die einen Kaltblüter rettete. Sie berichtete von einem deutschen (!) Schlachthändler, der seine Schlachtpferde die ganze Zeit im Transporter zu stehen hatte. Sie kaufte ihm ihr Kaltblut vor der Nase weg…

Es wurden mehrere tragende Stuten an Schlachthändler verkauft.

Ansonsten wurde durchgesetzt, dass die Pferde auf dem Marktgelände Einstreu haben. Das ist immerhin etwas. Dies hatte ich aber auch schon in 2015 beobachtet.

Eine Wasserstelle war auch vorhanden. Es stand dort genau 1 Eimer (für 700 Pferde…). Natürlich hatten wir ein Dutzend Eimer dabei und konnten zumindest einige Pferde tränken. Teilweise tranken die Pferde jeweils zwei 10 l-Eimer aus(!). An dieser Stelle muss ich sagen: Schade, schade Leute, dass NIEMAND von Euch Zeit hatte, mitzukommen und mitzuhelfen. Für Nicol und mich allein war es einfach zu viel. Nebenbei haben wir ja noch die zwei Pferde gekauft, die Pferde zur Pension gebracht, fotografiert, dokumentiert, mit den Tierärzten und der Polizei gesprochen, Tara beim Verladen von Pferden geholfen…Und wo seid ihr gewesen??? Bitte bedenkt, dass ein Kommentar in Facebook leider den Pferden überhaupt gar nicht hilft. Damit müsst ihr aber jetzt klarkommen, zum Glück nicht ich.
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Viele Pferde wurden vorab „ruhig gestellt“, entweder durch Wodka o.ä. oder durch Medikamente (z.B. die Stute oben).

Die Kaltblüter wurden z.T. extrem aufgemästet, mit entsprechenden Konsequenzen für den Pferdekörper, die Gelenke, die knöchernen Strukturen.

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Dieses Pferd soll ausschliesslich mit Salzwasser getränkt worden sein, zur Verstärkung des Masteffektes. Er wurde von Tara gerettet und ist sofort auf eine strenge Diät gesetzt worden.

In diesem Jahr waren mehrere Veterinäre in entsprechend erkenntlicher Kleidung auf dem Markt zu sehen. Komisch nur, als wir mehrere dann herbeiholten, hatten diese teilweise Angst vor den Tieren. Waren das wirklich Tierärzte oder waren es vielleicht nur Fakes, damit sich niemand beschwert? Ein weiterer hinzugezogener Tierarzt zuckte bei unserem verletzten Hengst nur mit der Schulter und ging dann wieder weg. Hallo, was war das denn???

Wir könnten hier noch Seiten schreiben, unser Fazit ist: Man soll sicher kleine Veränderungen auf dem Markt anerkennen. Ansonsten wird es leider noch ein sehr langer Weg sein, bis sich die Bedingungen wirklich verbessern. Ganz zu schweigen von den grausamen Langstreckentransporten bis runter nach Süditalien, auf die wir hier jetzt nicht weiter eingehen. Skaryszew hat in den letzten Jahren Druck und viel Öffentlichkeit bekommen. Das ist gut, nur so kann man etwas bewegen. Ihr alle seid aufgefordert, aktiv zu werden und Euren Beitrag dazu zu leisten. Den Kopf in den Sand zu stecken, nach dem Motto „bringt ja doch nichts“ ist aus unserer Sicht der falsche Ansatz.

Und nun noch ganz kurz etwas zu unseren geretteten Pferden, für die sich ALLES verändert hat:
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Fuga, jetzt May, ca. 15 Jahre, musste ihr ganzes Leben lang bei einem Bauern hart den Acker bestellen. Nun sollte sie zum Schlachter. Sie war stark dehydriert und hätte den Langstreckentransport kaum überlebt. Vier Hufe e.V. hat sie nur unter Mühen kaufen können, wir wurden massiv behindert.

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Das ist Flupi, jetzt Mr. Monty, er ist noch nicht einmal ein Jahr. Er stand schon auf dem Schlachttransporter und hatte bereits mit der Welt abgeschlossen. Er hatte hinten rechts eine schwere Verletzung am Bein und stand dreibeinig da. Außerdem hatte er eine Bronchitis. Auch dieses Pferd hat Vier Hufe e.V. gekauft.

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Wir möchten hier nochmals betonen, dass beide Pferde nicht transportfähig waren und den Langstreckentransport niemals überlebt hätten. Mit dem Kauf dieser beiden Pferde, die elendig auf dem Weg zum Schlachthof zugrunde gegangen wären, haben wir den Markt und den Pferdehandel in Skaryszew NICHT unterstützt, sondern aktiven Tierschutz betrieben(!).

Beide Pferde sind zunächst in Polen verblieben. Sie sollen sich erholen, Mr. Monty musste wegen seinem Bein in die Klinik. Außerdem muss für beide Pferde die TRACES-Bescheinigung erstellt werden, die man zum Transport nach Deutschland benötigt, einschließlich der dazu notwendigen Untersuchungen.

Wir werden weiter über unsere beiden Schützlinge berichten.

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