Zwei Glückspilze mit Migrationshintergrund aus der Pferdehölle

Eine glückliche Geschichte von zwei Pferden, die jetzt das Leben entdecken dürfen

Über die schlimmen Zustände und die unfassbaren Schicksale der Pferde auf dem Markt in Skaryszew haben wir ja nun schon ausführlich berichtet. Uns verfolgen diese Bilder noch immer und das wird auch noch lange so bleiben. Jetzt ist es aber auch an der Zeit, nach vorne zu schauen und die positiven und glücklichen Momente zu beschreiben und zu genießen. Denn hinter dem Bösen stecken mitunter auch fantastische Storys, die Mut machen, immer weiter für das Gute zu kämpfen.

So möchten wir heute über die aktuelle Situation unserer zwei Glückspilze, Merlin und Fräulein Mimi, berichten. Wir zeigen absichtlich nicht die Fotos, in denen der Zustand aufgenommen wurde, in dem wir Sie vorgefunden haben. Davon gibt es ja schon einige Bilder. Nein, dieser Bericht soll positiv sein und Mut machen.

Hier Bilder der beiden nach der Rettung auf dem Hof „Stadnina Hubertus“ von Sebastian Grzeszczyk. Hier werden Sie erst einmal versorgt, tierärztlich betreut und können sich von den Strapazen erholen.

Merlin mit Nicol

 

    

Fräulein Mimi mit Nicol und Izabella

 

    

 

Merlin wurde jahrelang schwer misshandelt, offensichtlich an den Hinterbeinen gefesselt und ist extrem unterversorgt und vernachlässigt. Sein Körper ist voller Wunden, die von Misshandlungen zeugen. Auch wenn das auf dem Bild nicht so rüber kommt, es wird lange dauern, bis er wieder ein gesundes und vor allem glückliches Pferde ist.  Eine große Herausforderung wird es sein, seine Psyche wieder so herzustellen, dass er ein glückliches Pferd wird.

Am Freitag hatte er eine Zahn-OP bei der ihm zwei entzündete Zähne gezogen und die Haken entfernt wurden. Es ist alles gut verlaufen und er kann, wenn alles verheilt ist, endlich wieder schmerzfrei fressen.

Psychisch scheint er schon auf dem Weg der Besserung zu sein. Zumindest verteidigt er seine Box schon energisch gegen den Nachbarn. Das kann ja noch was werden…..

Fräulein Mimi steht ebenfalls unter tierärztlicher Beobachtung und erhält alles Notwendige für ihre Genesung. Sie war dehydriert und mit Wodka ruhig gestellt. Am Abend nach der Rettung ist sie völlig entkräftet in ihrer Box zusammen gebrochen. Zudem ist sie deutlich traumatisiert, da Sie am frühen Morgen Ihre Mama auf den Hänger eines Schlachttransporters begleiten und dann wieder zurück musste (durfte). Diese schmerzhafte Trennung ist ihr noch immer anzumerken. Hätten wir ihre Mama früher gesehen, hätten wir beide gerettet.

Die kleine Dame ist mittlerweile einigermaßen wohlauf. Sie hatte Donnerstag den ersten Ausflug auf den Reitplatz. Das fand sie nicht so spannend und entschied, wieder ihre Box aufzusuchen. Also sprang sie mal eben über den Zaun (Papa ist ein Springpferd) und lief selbstständig in ihr neues zu Hause zurück. Da müssen wir wohl unsere Zäune erhöhen!

Man merkt, die beiden fangen an zu begreifen, dass sie Pferde sind und ihnen nichts mehr passiert!

Nach der gesetzlich vorgeschriebenen 14 – tägigen Quarantäne und ein wenig Erholung, treten Sie die lange Reise auf unseren „Hof der glücklichen Pferde“ an. Hier werden wir dafür sorgen, dass Sie alles erhalten, was sie benötigen. Vor allem aber lassen wir sie ankommen und geben ihnen soviel Liebe, wie sie benötigen. An erster Stelle steht aber erst mal der Kontakt zu den Kumpels auf unserem Hof und die behutsame Integration in die Herde. Das wird noch eine spannende Zeit.

Wir sind überglücklich, dass die beiden uns ausgesucht haben und nun nach Deutschland auswandern dürfen.

Unser ganz besonderer Dank gilt nochmal allen Helfern vor Ort, insbesondere Izabella und ihren Mädels.

Auch Sebastian vom „Stadnina Hubertus“ in Skaryszew möchten wir ganz herzlich danken. Er hat einen wirklich tollen und gutgeführten Hof mit sehr gut versorgten Pferden. Er hat uns sehr geholfen, in dem er die beiden aufgenommen hat und nun persönlich über deren Wohlergehen wacht. Danke an diesen engagierten und liebevollen polnischen Kollegen mit Herz. Wir wissen, dass Merlin und Fräulein Mimi bei ihm eine glückliche und behütete Zeit bis zur Reise nach Deutschland haben.

Noch eine tolle Nachricht zum Schluss: Prof. Dr. Klaus Hamper, ein sehr engagierter und bekannter Tierschützer sowie Förderer unseres Vereins, hat sich darum „beworben“, die Patenschaft für Merlin  übernehmen zu dürfen. Da mussten wir nicht eine Sekunde nachdenken und haben sofort angenommen. Wir freuen uns sehr, dass Prof. Hamper Merlin mit uns gemeinsam in ein würdiges und glückliches Pferdeleben begleitet. Ganz herzlichen Dank!

Mehr über Merlin und Fräulein Mimi demnächst. Wir werden über ihre Entwicklung berichten.

 

 

 

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2 Responses to Zwei Glückspilze mit Migrationshintergrund aus der Pferdehölle

  1. Conny von Zur Mühlen says:

    Hallo Nicol,
    das habt Ihr toll gemacht, großen Respekt, wir wissen, wie schwer es ist, auf solchen Märkten zwei auszusuchen, die man mitnehmen kann – man hat gegenüber allen anderen, die man dortlassen muss, ein schlechtes Gewissen.
    Aber man kann die Welt nicht allein retten und 2 Leben stellvertretend für die anderen geholt zu haben ist genau das, was wir tun können.
    In der Hoffnung, dass die Menschen draußen verstehen, wie sehr sie dabei unterstützen können und dass es nur geht, wenn sie helfen.
    Lieben Gruß
    Conny von Zur Mühlen KoMeT e.V.

    • Nicol says:

      Liebe Conny,

      welch´wahre Worte, ich Danke Dir so sehr! Tierschutz ist ein schweres „Geschäft“, in dem sich auch viele Tatenlose Menschen tummeln, die nur mit Worten glänzen und die Belastungen der praktischen Arbeit noch nicht einmal erahnen können, dafür aber „kluge“ Ratschläge geben. Diese Worte von Dir, die Du Dich genauso für die geschundenen tierischen Seelen einsetzt, sind umso mehr wert und berühren mich, machen gleichzeitig Mut. Schön, Dich an unserer Seite zu wissen!

      Ganz herzliche Grüße

      Nicol

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