Finchen – ehemaliges Reitschulpferd

Es kostete uns viel Mühe, Arbeit, Sorgen, Geld aber wir haben es geschafft. Sieht Finchen (ehemals Larissa) nicht wunderbar aus? Der Anblick, und kaum einer erkennt unser Finchen wieder, straft alle Aussagen der ehem. Besitzer Lügen. Uns wurde vorgeworfen, wir würden Finchens Geschichte extrem negativ darstellen, um Spenden „kassieren“ zu wollen, der Zustand sei für ein Pferd in dem Alter normal, sie hatte ja auch gerade ein Fohlen bekommen (zum Glück hat man sie einfach zum Hengst gestellt), sie wäre schwerfuttrig (viel Spaß), ja wir sollten sogar eine Richtigstellung für die Reitschule abdrucken. Was wir natürlich nicht gemacht haben. Es gab keinen Grund. Im Gegenteil: Wir haben Strafanzeige eingereicht.

Ist Finchen nicht eine Schönheit geworden?

Und so sah Finchen (damals Larissa) aus, als sie im Oktober 2012, also vor nicht einmal einem Jahr, zu uns kam:

So sah deren „Rente“ und auf die Wiese stellen aus. Die Reitschule meinte also, dass Finchen sehr wohl auf dem Hof „ein Rentendasein“ gewährt wurde. Na danke, auf so ein Rentendasein kann man doch verzichten. Finchen musste mit vielen kleinen Mahlzeiten am Tag (vorwiegend Heucobs eingeweicht) gefüttert werden. In ihrem Zustand konnten wir auch keine Zahnsanierung durchführen und mussten erst warten, bis sie über den Berg war.

Das Attest nach Ankunft bei uns unserer Tierärztin, die wir gleich gerufen hatten, sprach für sich: „… extremes Stufengebiß mit scharfen Zahnhacken“, „extrem schlechter Ernährungszustand“, „Herzklappeninsuffizienz“, „Lahmheit … Hintergliedmaße“, „Sämtliche Muskeln inkl. Kaumuskulatur atrophiert“. Hinzu kam eine Gebärmutterentzündung, die uns schwer zu schaffen machte, weil sie bei den ehemaligen Besitzern noch ein nicht lebensfähiges Fohlen (offenbar wohl wg. des schlechten Zustandes) zur Welt brachte.  Hauptprobleme, Haarlinge kamen noch hinzu. Selbst unsere Tierärztin hatte kaum Hoffnung, dass wir sie über den Winter bekommen.

Schaut, was für eine lebensfrohe, lebendige, dominante Schönheit unser Finchen ist trotz ihres Alters mit Mitte 20. Davon mal abgesehen, muss kein Pferd in dem Alter so aussehen, wie Finchen aussah. Uns gegenüber wurde behauptet, dass dies in dem Alter der Stute normal! sei. Das ist eine Floskel, die wir allzu oft hören von Leuten, die ihre Pferde so herunter kommen lassen. Es kostet halt Pflege, entsprechendes Futter und es gehört einfach dazu, dass man sein Pferd, auch im Alter, tierärztlich versorgt und umsorgt. Wenn einem das zu teuer ist, obwohl Finchen fast 20 Jahre im Reitschulbetrieb den Menschen Geld einbrachte, ist es nur erbärmlich. Es gibt so viele Möglichkeiten mit Maiscobs, Seniorenfutter und Heucobs, Mineralfutter uvm. auch ein Pferde ohne oder mit schlechten Zähnen gut zu ernähren, mal abgesehen davon, dass auch Zähne regelmäßig kontrolliert und gemacht werden müssen. Wie gesagt, die Bilder sagen alles und ich kann nur hoffen, dass ein Umdenken bei dieser – und vielleicht auch bei anderen – Reitschulbetrieben stattfindet. Schamlos ist es, aber dagegen können wir leider nicht immer etwas machen, wenn wir auf diese Missstände hingewiesen werden, die Pferde dann einfach „verschwinden“ zu lassen. Sie kommen zum Schlachter um evtl. Beweismaterial zu vernichten. Damit müssen wir natürlich auch rechnen, wenn wir Hilfe anbieten, nicht weiterkommen und dann alles öffentlich machen. Aber dabei zugucken, wie ein Pferd Hunger, Durst und/oder Qualen und Schmerzen leidet, können wir nicht und auch in diesen Fällen bleiben wir dran – siehe z.B. Oberähren/Linkenbach.

Es ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, zum einen einzugreifen, öffentlich zu machen, Hilfe anzubieten und zum anderen damit rechnen zu müssen, dass diese Leute (fast) immer auch die Möglichkeit haben,  das Pferd dann schnell schlachten zu lassen oder gar an Händler zu verkaufen mit ungewisser Zukunft. Was in Finchens Fall sicher nicht möglich war, denn kein Händler hätte die Stute in diesem Zustand gekauft und der Schlachtpreis war auch sehr gering bei ihrem Ernährungszustand. Wen wundert es. Man hätte dem Verein nicht auch noch den Geldbetrag abnehmen müssen, um sie freizukaufen, sondern so mitgegeben, wenn einem etwas daran gelegen gewesen wäre.

Finchen soll noch ganz viele glückliche Jahre haben mit ihrem Schatten Patina an ihrer Seite, die nicht mehr von Finchen weicht. Vielleicht findet sich wunderbarer Weise irgendwann noch einmal ein anderer toller Endplatz für beide zusammen, damit wir weitere Notfälle aufnehmen können. So lange kostet es uns jeden Tag weiterhin Mühe, Futter-, Hufschmied- und Tierarztkosten. Wo bleibt die Fangemeinde von Finchen, denn schließlich haben fast 20 Jahre Schüler/innen auf ihr das Reiten erlernt und könnten sich ihr gegenüber jetzt erkenntlich zeigen? Das Geld wurde dem Reitbetrieb gezahlt, wäre es nicht fair, wenn hier mal was dem Pferd zu gute kommt, wofür schließlich Finchen selbst fast 20 Jahre hart gearbeitet und alles ertragen hat?

Wäre es ihr gegenüber nicht dankbar, hier nur ein wenig zurück zu geben und ihr ein wirklich glückliches gesundes Rentnerleben zu gönnen, solange es geht? Wo sind die hunderten von Reitschülern aus Hamburg von Larissa, denen sie das Reiten beigebracht hat? Patenschaften, in welcher kleinen Höhe monatlich auch immer, würden uns und Finchen (ehem. Larissa) sehr helfen.

Wir haben ja alle nicht nur täglich zu versorgen, sondern es hören die Notfälle und Meldungen nicht mehr auf und dabei sind wir ein kleiner Verein mit einer Handvoll Aktiven und unter 100 Mitgliedern. Mehr können wir auch nicht leisten. Nun müssen auch mal alle anderen Verantwortung übernehmen, und wenn es nur für EUR 10,00 monatlich eine Patenschaft für Finchen oder Patina, Albert oder die anderen Vereinspferde ist.

Das Team von Vier Hufe & Co.

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7 Responses to Finchen – ehemaliges Reitschulpferd

  1. Sonja says:

    Ein ganz großes RESPEKT an euch!! Bei manchen angeblichen Tierhilfeorganisationen bin ich leider aus Erfahrung misstrauisch, endet das doch tw. im Messietum. Vorher/Nachher Bilder findet man nicht, dito Bilder von den Stallungen etc.
    Es ist einfach wunderbar, was ihr aus dieser Stute gemacht habt! Ich kann diese Lüge icht mehr hören, dass alte Pferde halt so aussehen, das stimmt einfach nicht! Und dann noch ein Fohlen draus ziehen wollen… Ich bin aus HH, würde mich ja interessieren welcher Hof das war und liebe Eltern, lasst eure Kinder nicht auf so einem Hof reiten, wo die Pferde so „leben“ müssen, es gibt genug Alternativen!!!

  2. Jeanny says:

    gespendet auch!

  3. Jeanny says:

    Ich bin auf diesem Pferd geritten 🙂

    Es gibt leider noch mehrere Pferde auf dem Hof, die ebenfalls schlimm aussehen…
    deshalb müsste man denen die Lizenz entziehen und den Hof jmd überlassen, der mit Tieren umgehen kann und möchte!

  4. Jeanny says:

    Strafanzeige! Super, endlich!!!

  5. janina lemcke says:

    Huhu Ihr lieben!!!
    Super Geschrieben!!!
    Ja macht doch mal einen Aufruf WER AUF DIESEM PFERD REITEN LERNTE!!!
    und wenn es nur 5 € SInd da würde schon was zusammen kommen!
    IHR habt das GANZ WUNDERBAR GEMACHT!!!
    ICH BIN FROH DAS ES EUCH MIT EUREM GRO?EN HERZ GIBT
    LG aus SANDESNEBEN

    • Sandra says:

      ganz ehrlich… wer auf solchen armen Geschöpfen reiten mochte, dem ist der Zustand der Pferde sch… egal. Traurig aber wahr..

  6. Steffi says:

    ein großartiger Beitrag und ja, Finchen ist eine wunderschöne und vor allem inzwischen wieder glückliche Stute, die nicht nur äußerlich strahlt.
    Liebe Grüße

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