Haflinger Stute „CESI“ – Rettung in letzter Minute

Die mehr als 36 Jahre alte Haflinger Stute „Cesi“, die über 20 Jahre völlig allein auf einer Weide in Ahrensfelde vor sich hin vegetierte, darf nun endlich die ihr verbleibende  Lebenszeit in Gesellschaft von Artgenossen mit reichlich seniorengerechter Nahrung in einer eingestreuten Box mit eigenem Paddock verbringen.

Mehr als 20 Jahre versuchten Pferdefreunde diese Stute aus ihrer Isolationshaft zu befreien und scheiterten immer wieder an Cesis Eigentümern, die nicht einsehen wollten, dass ihre Stute unter der Einsamkeit litt. Pferde brauchen als Herdentiere soziale Kontakte zu Artgenossen noch mehr als Nahrung. Ein allein gehaltenes Fluchttier, wie das Pferd kann niemals entspannt ruhen, da es ja kein anderes Herdenmitglied gibt, welches derweil „Wache schieben“ könnte. Auch fallen wichtige, soziale Körperkontakte wie Fellkraulen mangels Partnern weg. Der Mensch kann dies niemals ersetzen.

Cesi litt still all die Jahre vor sich hin, doch wurde ihr Zustand von Jahr zu Jahr dramatischer. Spätestens als sie im Winter 2010/2011 bis auf die Knochen abmagerte, extreme „Hungerhaare“ ausbildete, ungepflegt aussah und roch, formierte sich unter den Menschen, die dieses Bild des Jammers nicht mehr länger ertragen konnten, Widerstand.

Doch nichts half. Die Eigentümer blieben stur – „ihr Pferd sei halt alt und dafür in gutem Zustand“. Unglaublicherweise wurden sie in dieser Annahme von ihrer Tierärztin und sogar selbst vom zuständigen Veterinäramt unterstützt. Unterdessen ging es der Stute immer schlechter und auch unter den Tierschützern schwand allmählich die Hoffnung.

Die Weide war im Sommer ungepflegt; das Gras zu lang für ihre Zähne. Im Winter fehlte es an ausreichendem, altersgerechtem Futter und bei extremen Minusgraden an Trinkwasser und einer wärmenden Decke. Ihr zugiger Unterstand war undicht, so dass es bei kaltem Regenwetter keinen trockenen Ort für sie gab. Diese Umstände raubten ihr die letzten Energiereserven, sie wirkte apathisch und hatte fast schon aufgegeben; was man ihr auch überdeutlich ansah.

       Foto: Bagdassarian für das Stormarner-Wochenblatt

Erst als Vier Hufe & Co. e.V. im Herbst 2011 begann sich für die Stute zu engagieren und in Zusammenarbeit mit PETA eine immer größere Öffentlichkeit dieses Falles herstellte, änderte sich für Cesi ALLES zum Besseren!

Endlose Briefe besorgter Menschen an das Kreisveterinäramt Bad Oldesloe, den Landrat in Stormarn und das Landwirtschaftsministerium in Kiel bewirkten, dass die Eigentümer auf amtliche Anordnung am 6. Dez. 2011 ihre halbverhungerte Stute in einer nahen Offenstallanlage unterbrachten. Dort wird Cesi nun endlich, quasi in letzter Minute, ihrem Alter entsprechend liebevoll versorgt und hat Kontakt zu anderen Pferden.

Menschen, die Cesi schon viele Jahre kennen, berichten uns, wie positiv verändert, aufmerksam und  zunehmend „lebensfroh“ sie sich nun verhält. Und das nach über 20 Jahren in Einsamkeit und Mangelernährung. Wir alle sind über diese Schicksals-Wendung unendlich glücklich!

Das Team von Vier Hufe & Co. e.V.

 

 

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One Response to Haflinger Stute „CESI“ – Rettung in letzter Minute

  1. Sabrina says:

    Krass.. ich bin als kleines Kind schon so oft an ihr vorbei gefahren und hab mich jedes mal gefragt ob die anderen Pferde eventuell gerade geritten werden oder spazieren gehen, bin geschockt wie kaltherzig man als Besitzer sein muss. Ich versuch nur das beste für mein Pferd.. Naja jetzt kann die alte Maus sich schön durch kuscheln bis sie irgendwann gemütlich einschläft.

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